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Die Kaufzurückhaltung löst sich langsam auf

Daphne Huber zu den aktuellen Düngermärkten

Die Hochpreisphase bei Düngemitteln scheint im Frühjahr 2024 endgültig der Vergangenheit anzugehören. Die Kursverläufe für Kalkammonsalpeter (KAS), Harnstoff und Kali sind zurückgegangen. Nur bei Phosphat ist ein leichter Anstieg erkennbar. Mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine vor zwei Jahren kam es zu einem Energiepreisschock, der Düngemittel stark verteuerte. Den Landwirten sitzen die die enormen Ausschläge von 2022 noch im Nacken. Der Düngermarkt  war in den vergangenen Einlagerungsmonaten von einer großen Kaufzurückhaltung geprägt. Westeuropäische Produzenten haben im Wettbewerb gegenüber günstigen Importen das Nachsehen. Sie setzen auf rege Nachbestellungen in der aktuellen Düngesaison. 

Global gibt es einige Faktoren, die dafür sprechen, dass die Nachfrage nach Stickstoffdünger wieder anspringt.  So könnte Indien als wichtiger Einkäufer von Harnstoff im 1. Quartal 2024 eine weitere Ausschreibung starten. Zuletzt hatte das Land 650.000 t gekauft, Ferner ist von einer größeren Nachfrage in den USA im Frühjahr auszugehen, nachdem die Farmer ähnlich wie in Deutschland im Herbst nur wenig Dünger eingelagert haben. 

Auch auf der Angebotsseite gibt es Neuigkeiten. So sind die Harnstoff-Werke in Ägypten für Februar und März ausverkauft. China liefert seit Herbst 2023 fast keine Ware mehr auf den Weltmarkt. Die Regierung will den heimischen Markt ausreichend mit Düngemitteln versorgen, sagte Claudia Wlk vom Branchendienst Argus auf der Tagung des Bundesverbandes der Düngermischer vor Kurzem in Hannover. Hingegen scheinen, so Expertin Wlk, die Produktionsausfälle bei Ammoniak in Saudi Arabien und Trinidad und Tobago behoben, die temporär die Preise für Harnstoff in die Höhe getrieben hätten. Aktuell baue Russland ein neues Ammoniak-Terminal in Taman, die Inbetriebnahme ist im 2. Quartal 2024 geplant. Die bisherige Togliatti-Odessa-Pipeline ist durch den Krieg in der Ukraine stark beschädigt und stillgelegt worden. 

Logistikprobleme im Roten Meer

Ein wichtiger Herkunftsort für Harnstoff ist der Iran. Dort hat es Probleme in der Gasversorgung gegeben, was die Produktion einschränkt. Ferner berichtet die Expertin auf der Düngertagung von Logistikproblemen im Panamakanal wegen Trockenheit. Zudem stören die Angriffe auf Schiffe durch Huthi-Rebellen im Roten Meer die Bereitstellung von Rohmaterialien wie Ammoniak und Schwefelsäure, die oft von Saudi-Arabien durch das Rote Meer kommen und Dünger-Produzenten wie OCP in Marokko beliefern. Insgesamt sind die Auswirkungen der Auseinandersetzungen in der Region für Düngemittel minimal und hauptsächlich auf Frachten beschränkt.

Die genannten Faktoren könnten auf steigende Harnstoffpreise bis ins 3. Quartal 2024 hindeuten. Aktuell liegen die KAS Preise ab norddeutschem Lager zwischen 280 und 300 €/t. Granulierter Harnstoff mit Ureaseinhibitor notiert ab norddeutschem Lager bei 458 €/t. Die zu Saisonbeginn in diesem Frühjahr schwache Nachfrage nach Düngern führen Marktteilnehmer auf einen Rückgang der Herbstaussaatflächen von Getreide um 4 Prozent zurück. Die Aussaatfläche von Winterweizen hat sich um 204.000 auf 2,6 Mio. ha verringert. Unklar ist das Ausmaß der Schäden durch die Überschwemmungen zum Jahresanfang in Norddeutschland. Ferner bremsen Weizenpreise um die 180 €/t die Nachfrage nach Düngern. So sind die eingelagerten Düngerbestände im Handel und bei den Landwirten geringer als in den Vorjahren ausgefallen. Der Absatz von N-Düngern ist von Juli 2023 bis Januar 2024 um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken.

Großer Unmut über Import

Einige Produzenten haben auf die schwache Nachfrage bereits reagiert und ihre Produktion im November und Dezember gedrosselt. Anlagen in Ungarn und Rumänien sind inzwischen wieder hochgefahren. Die Warenverknappung könnte einen Preisanstieg zur Folge haben. Händler hoffen nach der 1. Stickstoffgabe auf ein reges Nachordergeschäft. Nach dem vielen Regen sind die Nmin-Werte niedrig. 

Indes zeigen westeuropäische Hersteller wenig Verständnis für die hohen Einfuhrmengen von Düngern in EU-Länder. Die Stickstoffwerke Piesteritz (SKW) und Yara können nach eigenen Angaben wegen der hohen Energiekosten nicht wettbewerbsfähig Dünger produzieren und drosseln ihre Kapazitäten. Zwar sind die Erdgaspreise wieder gesunken, doch liegen sie immer noch um 200 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. Hingegen ist in Russland der Gaspreis kaum gestiegen. Es könne nicht sein, dass die BASF in Ludwigshafen eine Ammoniak-Anlage abstelle, gleichzeitig 600.000 t Dünger im Jahr aus Russland in Deutschland eintreffen und in Deutschlands Werken die Lichter ausgehen, lautet die Kritik in der Branche. Die Abhängigkeit von Düngemitteln aus Drittländern beträgt 80 Prozent, allen voran aus Russland, gefolgt von Algerien, China und Nigeria.

 


Daphne Huber, agrarticker.de.
d.huber@dlg.org

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