DLG e.V. - Rund statt eckig! Bullenmast im Roundhousestall

Rund statt eckig! Bullenmast im Roundhousestall

Dieser Tage besuchten die Teilnehmer des neuen DLG-Forums Bullenmast und Mutterkuhhaltung im Anschluss an die erste Konferenz in Hohenroda den Roundhousestall des Betriebes Vey in der Rhön. Ende Februar 2019 erfolgte dort im hessischen Hilders der erste Spatenstich zur Errichtung eines neuen Bullenmaststalles nach dem Konzept eines Roundhousestalles. Die ersten Mastbullen und Mastfärsen zogen im Juli 2019 ein.

Der Außenklimastall besteht aus einer zentralen Säule, an der ein Stahlgerippe montiert ist sowie aus weiteren Stützen entlang des Umfangs. Das Dach, eine die Metallstreben überspannende Membran, ist in dieser Mittelgebirgslage auf eine Schneelast von 200 kg/m² ausgelegt. Der Stall hat einen Durchmesser von 30 m und bietet mit einer Stallfläche von rund 710 m² und acht Buchten 140 Tieren Platz. Sie werden im Alter von fünf Monaten eingestallt und erreichen mit 20 bis 22 Monaten die Schlachtreife. Im Zentrum sorgen rund 20 m² freie Dachfläche für die Entlüftung. Die Seitenwände sind vollständig offen.

Doch was hat den Betriebsleiter Manuel Vey dazu bewegt in diese in Deutschland bisher eher selten vorkommende Bauweise zu investieren? Bis zum Jahr 2019 war der Betrieb auf Milchvieh ausgerichtet und hatte einen Stall in der Nachbarschaft gepachtet. Ein Wachstumsschritt von 80 Kühen in eine zukunftsfähige Größenordnung hätte eine immense Investition und damit ein hohes unternehmerisches Risiko bedeutet, also wurden Alternativen geprüft.

Im hessischen Romrod besichtigte Vey bei einem Berufskollegen einen Roundhousestall und war vom Konzept überzeugt. Die Entscheidung für die Bullenmast in einem solchen Stall fiel, da dieses Stallkonzept einige Vorteile verspricht. Mit einer Investition von 350.000 Euro inklusive Bodenplatte, Mehrwertsteuer und aller Baunebenkosten, ist das unternehmerische Risiko überschaubar. Im Vergleich zu gängigen Zweiraumlaufställen, die in der Region gebaut werden, ist der Stall nur halb so kostspielig. Ein Stall mit 140 Tieren kann von einer Arbeitskraft überwiegend alleine bewirtschaftet werden.

Im Zentrum des Gebäudes befindet sich ein zentrales Areal, in das die Anzahl an Tieren einer gesamten Bucht zum Beispiel zum Ausmisten Platz findet. Dieser Bereich ist von außen leicht zugänglich, so dass der Landwirt nicht durch die Tiergruppen gehen muss. Der Stall ist mit einem Treibegang und einem Fang- beziehungsweise Behandlungsstand sowie einer Verlademöglichkeit ausgestattet. Dies ermöglicht ein einfaches Handling der Bullen und sorgt für eine gute Arbeitssicherheit. Die Fütterung erfolgt mit Hilfe des Futtermischwagens am außen liegenden Futtertisch.

Der Stall ist als Festmiststall konzipiert. Durch das Einstreuen mit einem Einstreugerät, kann die Einstreumenge reduziert werden. Der Festmist wird in einer nahe gelegenen Biogasanlage verwertet, was das gesamte Konzept abrundet. Auf den Bau eines Festmistlagers konnte daher verzichtet werden. Die Tränkewasserversorgung ist frostsicher ausgeführt. Ein zentraler Wassertank mit Schwimmer ist mit allen Tränken verbunden. Sobald ein Tier trinkt, entsteht eine Wasserbewegung im gesamten System und verhindert so das Einfrieren.

Das Fazit der ersten zehn Monate Erfahrung mit dem neuen Stall fällt positiv aus: „Am Stallkonzept würde ich nichts ändern!“, resümiert Vey und beurteilt das Stallkonzept als ausgereift. Ein gutes Stallklima, hohe Tiergesundheit, eine ruhige Herde sowie die einfache Arbeitswirtschaft haben ihn überzeugt. Nur wenn das raue Wetter der Rhön den Regen von der Seite aufs Futter peitscht, fällt die gefressene Ration etwas geringer aus.

Nun sind die ersten Tiere ausgemästet. Mit Spannung werden die ersten Mastergebnisse erwartet. Ärgerlicherweise lassen die aktuellen Bullenpreise keine Höchstpreise erwarten.

Das nächste DLG-Forum Rindermast und Mutterkuhhaltung findet am 4. und 5. März 2021 im hessischen Hohenroda, wieder mit einer Betriebsbesichtigung im Anschluss, statt.

Hier informieren Artikel Bay. Wochenblatt