DLG e.V. - Vorratsschutz in der Lebensmittelindustrie

Vorratsschutz in der Lebensmittelindustrie

Druckentwesung mit Kohlendioxid

aus: DLG-Lebensmittel 05/2018, Seite 28ff.

In den letzten Jahren sind die Preise für pflanzliche Rohstoffe stark gestiegen. Produktverluste aufgrund einer falschen Lagerung können sich Unternehmen angesichts der großen Konkurrenz am Markt nicht leisten. Zudem muss die Lebensmittelindustrie auf immer strengere Qualitäts- und Hygieneanforderungen reagieren. Diese beiden Faktoren bedingen, dass dem Vorratsschutz eine immer größere Bedeutung zukommt. Air Liquide hat ein Verfahren für eine effektive und umweltschonende Druckentwesung mit Kohlendioxid  entwickelt.

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Während der Lagerung sind Vorratsgüter häufig von Schadinsekten, wie Motten und Käfern in diversen Entwicklungsstadien (Eier, Larven, Puppen), befallen. Bei Vorratsgütern wie Getreide, Kaffee, Tee, Kakao oder fetthaltigen Samen, wie Nüssen, Sonnenblumenkernen oder Leinsaat, kommt es daher nicht nur zu Produktverlusten, sondern auch zu hygienischen Problemen. Durch einen akuten Schädlingsbefall erhöht sich auch das Risiko einer Übertragung gefährlicher Krankheitserreger auf den Menschen. In der Vergangenheit wurden aggressive Mittel wie Blausäure oder Methylbromid zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Da diese Mittel hochgiftig sind und giftige Rückstände in den behandelten Vorräten verbleiben können, dürfen sie in der EU seit März 2010 aus Umweltschutzgründen nicht mehr verwendet werden.

Vorratsschutz mit Kohlendioxid

Zielführender als die in der Vergangenheit angewendeten Methoden sind für den Vorratsschutz Anwendungstechniken mit Gasen. Der Gaseproduzent Air Liquide bietet seinen Kunden eine effiziente Methode, seine Vorratsgüter mittels Druckentwesung und den Einsatz von Kohlendioxid (CO2) schonend zu schützen. Dabei müssen hohe Qualitätsansprüche erfüllt werden: Der Vorratsschutz fällt unter das Pflanzenschutzgesetz. Für den Vertrieb von Stoffen, welche zur Schädlingsbekämpfung genutzt werden, ist eine Zulassung erforderlich. Zudem müssen Gase, die in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden, höchsten Qualitätsanforderungen und Reinheitsspezifikationen nach der geltenden Zusatzstoff-Kennzeichnungsverordnung entsprechen.

ALIGAL2 – auch für Bio-Produkte zugelassen

Die Anwendung von CO2 ist eine praktisch rückstandsfreie Variante des Vorratsschutzes und eines der wenigen Schädlingsbekämpfungsmittel, das gemäß der EG-Öko-Verordnung von 2007 auch für die Behandlung von Bio-Rohstoffen zugelassen ist.

 Die Zulassung für den Vertrieb des Markengases ALIGAL 2 in Deutschland hat Air Liquide erhalten. Der Einsatz von Kohlendioxid im Vorratsschutz ist schonend und zuverlässig zugleich. Zwei Verfahren sind aktuell in Verwendung: Neben der drucklosen Applikation gibt es auch das sogenannte Druck-Expansion-Verfahren (Pressure Expansion). Hierbei wird das zu behandelnde Produkt in einem Autoklaven mit CO2 einem Druck von bis zu 30 bar ausgesetzt. Hierbei lagert sich das CO2 in den Zellen der Schädlinge an. Nach einer Behandlungsdauer von ca. ein bis drei Stunden wird der Druck im Autoklaven schlagartig entlastet. Durch die Entspannung dehnen sich die CO2-Moleküle aus und zerstören die Zellen der Schadorganismen. Bei diesem Verfahren wird in der Regel eine hundertprozentige Mortalität erreicht. Schädlinge, wie z. B. Dörrobstmotte, Reismehlkäfer oder Kornkäfer werden in allen Entwicklungsstadien sicher abgetötet (s. Tabelle).

Alternative Erzeugung von CO2

Air Liquide nutzt für die Druckentwesung  Kohlendioxid, das als Nebenprodukt in der Industrie anfällt und daher konstant verfügbar ist. Das ohnehin anfallende Nebenprodukt wird gereinigt und verflüssigt. CO2, das sonst direkt in die Atmosphäre gelangen würde, wird somit einer sinnvollen Zweitverwendung zugeführt.

Für das Abscheiden des CO2 sind physikalische und chemische Schritte der Feinreinigung erforderlich. Danach folgen die Trocknung über Molekularsiebe und die Verflüssigung des Gases. Das CO2 wird also nicht extra erzeugt, es wird lediglich aus einem großindustriellen Prozess entfernt.

Druckentwesung – Service und Beratung

Bei Air Liquide kann in einer Versuchsanlage die Wirksamkeit des Verfahrens getestet werden. Außerdem können in Vorversuchen im Pilotmaßstab die besten Einstellungen der zentralen Parameter, wie Druck und Behandlungszeit, bestimmt werden.

Der Vorratsschutz ALIGAL 2 inklusive einer fundierten Beratung durch Air Liquide ermöglicht der Lebensmittelbranche eine gründliche Schädlingsbekämpfung ohne giftige Rückstände und mit Bio-Zulassung.

Bei dem sogenannten Druck-Expansion-Verfahren wird das Produkt in einem Autoklaven mit CO2 einem Druck von
30 bar ausgesetzt. ©Air Liquide

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