DLG e.V. - Schweinehaltung im Spiegel der Nachhaltigkeit

Schweinehaltung im Spiegel der Nachhaltigkeit

Um Schweinehaltung möglichst objektiv bewerten zu können, müssen die betrieblichen Aktivitäten in Bezug auf Umwelt- und Tierschutz sowie ihre Interaktionen beurteilt werden. Diese Aufgaben können Indikatorsysteme leisten. Foto: agrar-press

Nie zuvor war der Gedanke der nachhaltigen Entwicklung in der Öffentlichkeit so präsent und akzeptiert wie heute. Daher hat die Bundesregierung am 11. Januar 2017 die Neuauflage der Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen. Deren Ziel ist es, Umweltschutz, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und soziale Verantwortung so zusammenzuführen, dass Entscheidungen unter allen drei Gesichtspunkten dauerhaft tragfähig sind. Diese Strategie soll Generationengleichheit, Lebensqualität, sozialen Zusammenhalt und internationale Verantwortung gewährleisten.

In der Schweinefleischerzeugung spielt die Veredlung nährstoff- und energieintensiver Futtermittel eine bedeutende Rolle. Die ökologischen Folgen hoher regionaler Bestandszahlen sowie Besatzdichten sind in den Fokus gesellschaftlicher Kritik geraten. Emissionsschutzrechtliche Belange stehen neben Geruchs- und Staubbelastungen sowie Gefahren der Übertragung von Zoonosen im Blickpunkt. Die Quantifizierung von Emissionen (Stickstoff (N), Phosphor (P), Ammoniak (NH3), Lachgas (N2O), Methan (CH4), Kohlendioxid (CO2), die direkt mit der Tierhaltung verbunden sind, ermöglicht eine betriebliche Analyse der ökologischen Nachhaltigkeitsbewertung.

Zusätzlich zu den ökologischen Folgen hat die Diskussion um Tiergerechtheit und Tierwohl an gesellschaftlicher und damit auch an politischer Relevanz gewonnen. Zahlreiche Umfragen belegen die Bedenken der Verbraucher hinsichtlich der Tiergerechtheit verschiedener Produktionsverfahren und ein grundsätzliches Tierschutzinteresse der Bürger.

Um Schweinehaltung in diesen Punkten bewerten zu können, bedarf es der Möglichkeit, die vielfältigen betrieblichen Aktivitäten in Bezug auf Umwelt- und Tierschutz sowie ihre Interaktionen zu beurteilen. Diese Aufgaben können Indikatorsysteme leisten, die aktuell in einem DBU-Verbundprojekt „Entwicklung von Indikatoren und eines Analysetools für nachhaltige Schweinehaltung: Fütterung, Haltung, Ressourcen, Klima, Tiergerechtheit“ erhoben und auf Testbetrieben validiert werden.

Die DLG koordiniert die Arbeiten der Projektpartner Friedrich-Löffler-Institut (FLI), Martin-Luther-Universität Halle (MLU) und des Instituts für Nachhaltige Landbewirtschaftung (INL) mit dem Ziel, ein Analysetool für die Schweinehaltung zu entwickeln.

Mit diesem Tool sollen die Umwelt- und Klimawirkungen der Schweinehaltung anhand von Indikatoren analysiert, bewertet und letztlich auf Betriebsebene optimiert werden. Gleichzeitig soll darin eine Methodik zur Bewertung der Tiergerechtheit enthalten sein, um Wechselwirkungen und Zielkonflikte zu beschreiben.

Die Lösung des Zielkonflikts Umwelt vs Tierwohl/Tiergerechtheit gilt als Voraussetzung dafür, Betrieben in Deutschland auch weiterhin eine Zukunft zu bieten und den sich verstärkenden Strukturwandel aufzuhalten. Der Modellansatz soll vertieftes Fachwissen über die Zusammenhänge generieren und zu einer Sensibilisierung der Branche für die zuvor genannten Belange führen.

In einem Workshop des Ökoinstituts am 24. November 2017 im DLG-Haus wurde jüngst der Frage nachgegangen, wie der Transformationsprozess zu mehr Nachhaltigkeit weiter unterstützt werden kann. Gesundheit („One-Health-Ansatz“), Umwelt, Tierwohl und die Wirtschaftlichkeit sind dabei ganzheitlich zu betrachten. Um dies beispielsweise mittels alternativer Haltungsverfahren zu berücksichtigen, sind aber neben Forschung und Entwicklung für praxistaugliche Systeme auch vereinfachte Genehmigungsverfahren und Investitionsprogramme erforderlich.

Technik und Digitalisierung werden weiter zunehmen und bieten neben der Unterstützung der Tierbeobachtung über Sensoren auch die Möglichkeit, die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Die Entwicklung hin zu Premiumprodukten („Klasse statt Masse“) wird nach Ansicht vieler Workshop-Teilnehmer zunehmen, was letztlich auch zu vertikal integrierten Produktionsweisen führen kann.

Konsens der Teilnehmer war, dass der Strukturwandel in der Schweinefleischproduktion so gestaltet werden muss, dass Schweinezucht und Schweinehaltung in Deutschland noch eine Zukunft haben. Um dies zu erreichen, müssen alle Akteure der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten.