1:1-Umsetzung der EU-Vorgaben unter besonderer Berücksichtigung der Betriebsstrukturen in Deutschland notwendig Direktvermarktung von Eiern nicht gefährden - Stellungnahme des DLG-Ausschusses für Geflügel zum Entwurf für eine deutsche Hühner-Salmonellen-Verordnung


Das Ziel der EU-Vorgaben zur Salmonellenbekämpfung (Verordnung EG 2160/2003) ist, die Krankheitshäufigkeit (Prävalenz) durch Salmonellen in den Mitgliedsstaaten zu senken. Die Vorgaben wirken sich unmittelbar auf die Primärproduktion und somit auch auf Hühner haltende Betriebe aus. Für Deutschland ist im Kot und in der Umgebung von Legehennenbeständen eine Prävalenz von 24,7 Prozent für die beiden wichtigsten Serotypen Salmonella enteritidis und Salmonella thyphimurium ermittelt worden. Dieser Wert muss nach den EU-Vorgaben im ersten Schritt um 30 Prozent gesenkt werden. In Folge der EU-Vorgaben dürfen nach derzeitigem Stand ab 1. Januar 2009 bei Vorliegen eines Salmonellenverdachtes in einem Legehennenbetrieb (d. h. im Kot wurden Salmonellen nachgewiesen) Eier nicht mehr in den Konsum gelangen. Zur Umsetzung dieser EU-Vorgaben liegt nun ein Entwurf für eine deutsche Hühner-Salmonellen-Verordnung vor.

Dieser Entwurf enthält in der jetzt vorliegenden Form für Deutschland einige Regelungen, die noch über die EU-Vorgaben hinausgehen. Insbesondere wurde bei der Begriffsbestimmung der „Betriebsabteile“ und „Herden“ die in Deutschland vor allem im süddeutschen Raum weit verbreitete gleichzeitige Haltung mehrerer Altersgruppen in einem Gebäude (Multiple Age) nicht berücksichtigt. Der DLG-Ausschuss für Geflügelproduktion begrüßt grundsätzlich Bestrebungen zur Salmonellenbekämpfung in der Primärproduktion.

Notwendig ist allerdings eine 1:1-Umsetzung der EU-Vorgaben unter besonderer Berücksichtigung der Betriebsstrukturen in Deutschland, um die Zukunft der Direktvermarktung von Eiern in Deutschland zu sichern. Die Zeit bis zum Eintritt von EU-Sanktionen in Salmonella enteritidis und Salmonella typhimurium positiven Betrieben sollte durch ein bundeseinheitliches Programm zur Senkung der Prävalenzen genutzt werden.


Auswirkungen des Verordnungsentwurfes auf Multiple Age Betriebe

Grundsätzlich weist der DLG-Ausschuss Geflügel darauf hin, dass die Umsetzung des derzeitigen Entwurfes im Verdachtsfall für die Mehrzahl der Direktvermarkter von Eiern in Deutschland, die in der Regel zur Sicherung des Absatzes mehrere Hennen-Altersgruppen auf ihren Betrieben halten müssen, gravierende Auswirkungen hat.

Nachdem auf den meisten Betrieben die unterschiedlichen Altersgruppen nicht in räumlich getrennten Ställen untergebracht sind, betrifft das Vermarktungsverbot alle Eier und entzieht somit dem Betrieb vollständig die Einnahmequelle aus diesem Erzeugungssegment. Da viele Multiple Age Betriebe kleine bis mittlere Familienbetriebe sind, können ein Vermarktungsverbot von salmonellenverdächtigen Eiern und Tieren als auch die wirtschaftlichen Folgen einer Sanierung von diesen Betrieben, die vom direkten Kontakt mit ihren Kunden leben, existenzbedrohend sein.

Die im Entwurf vorgesehene vollständige bauliche Trennung von Stallabteilen bei diesen in der Regel kleinen und mittleren Direktvermarktern ist auf Grund der betriebsspezifischen Struktur in der Praxis nicht möglich. Ähnliches gilt auch für die Forderung, Ausläufe verschiedener Stallabteile räumlich vollständig von einander abzutrennen.

Die seitens der EU geforderten Impfungen gegen Salmonellen können den Befall bei richtiger Anwendung reduzieren. Allerdings kann nur in Zusammenhang mit anderen Sanierungsmaßnahmen eine nachhaltige, effektive Einschränkung des Infektionsdruckes erzielt werden. Die obligatorische Impfung mit homologen Impfstoffen setzt eine sachgerechte Impfung gemäß den Herstellerangaben oder Zulassungskriterien voraus. Der in dem Verordnungsentwurf verwendete Begriff “ausreichende Immunität“ erscheint wenig zur Beschreibung des Impferfolgs geeignet. Ferner ist bisher im Zusammenhang mit Nachimpfungen auch noch nicht eindeutig geregelt, in wie weit eine Herde in der Legepause mit derzeit verfügbaren Impfstoffen geimpft werden darf.


Lösungsansätze
Aus fachlicher Sicht ist eine 1:1-Umsetzung der EU-Vorgaben unter besonderer Berücksichtigung der Betriebsstrukturen in Deutschland notwendig, um die Zukunft der Direktvermarktung von Eiern in Deutschland zu sichern. Die Zeit bis zum in Kraft treten der Sanktionsmaßnahmen (voraussichtlich am 1. Januar 2009) muss genutzt werden, um ein Programm zur gezielten Sanierung der Betriebe in ganz Deutschland zu entwickeln und umzusetzen. Das Sanierungskonzept zur Gesundheitsprophylaxe und Hygiene muss betriebsspezifisch, insbesondere für Direktvermarkter, adaptiert werden.


Als dringend erforderlich werden folgende Prophylaxe-Maßnahmen angesehen:

 

  • Grundsätzlich ist eine möglichst konsequente Trennung (inklusive Futter- und Tränkelinien sowie Eiertransportband und Kotband/kanal) zwischen verschiedenen Betriebsabteilen anzustreben. Je Betriebsabteil sollten möglichst wenige Altersgruppen (2 oder 4) gehalten werden. Eine Unterteilung der Ställe quer zur Längsrichtung sollte unterbleiben.
  • Die Ställe dürfen nur mit betriebseigener Schutzkleidung oder Einmalschutzkleidung  betreten werden, wobei der Personenverkehr auf ein absolut notwendiges Maß zu reduzieren ist.
  • Geeignete Desinfektionsvorrichtungen sind an allen Eingängen einzurichten und im Rahmen regelmäßiger Kontrollen funktionsfähig zu halten.
  • Es ist darauf zu achten, nur Tiere aus salmonellenfreien Beständen einzustallen, die nachweislich gemäß dem aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand schutzgeimpft sind.
  • Der Stallhygiene ist insbesondere zwischen zwei Durchgängen besonderes Augenmerk zu widmen. Dazu gehört neben dem ausschließlichen Einsatz von zugelassenen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln auch eine ausreichende Leerstandszeit, wobei eine erfolgreiche Desinfektionswirkung nur bei ordnungsgemäß gereinigten Stalleinrichtungen gewährleistet ist.
  • Darüber hinaus ist eine betriebsspezifische, systematische Schadnager- und Parasitenbekämpfung unerlässlich.
  • Ferner muss vor allem bei stärker gefährdeten Betrieben mit mehreren Altersgruppen die Futterhygiene berücksichtigt werden.
  • In Betrieben mit Zugang zu einem Auslauf ins Freie ist darüber hinaus ein gezieltes Auslaufmanagement einzuhalten.

Neben regelmäßigen Untersuchungen der Tiere auf Salmonellen müssen bei Umgebungsbefunden in Zusammenarbeit mit betreuenden Hoftierärzten, der Offizialberatung und der Veterinärverwaltung mittels gezielten epidemiologischen Erhebungen die Eintragsquellen eingegrenzt werden.


Das beste Prophylaxeprogramm wie auch die konsequente Einhaltung der genannten hygienischen Vorsichtsmaßnahmen können allerdings das Auftreten von überall vorhandenen Salmonellen nicht vollständig ausschließen.


Insbesondere in den heute gewünschten Haltungsformen mit Einstreu und dem Angebot eines Auslaufs ins Freie kann die Gefahr eines Eintrags von Salmonellen nicht gänzlich unterbunden werden. Hier muss noch einmal klar darauf hingewiesen werden, dass die Tiere selber in der Regel nicht erkranken und somit die ergriffenen Vorsichtsmaßnahmen vor allem dem vorbeugenden Verbraucherschutz dienen.


Ein solches Untersuchungs- und Hygieneprogramm führt zu erheblichen Mehrkosten, die vom Einzelbetrieb nicht getragen werden können. Die Effizienz der ergriffenen Maßnahmen kann anhand der obligatorischen Dokumentation überprüft werden.


Nachdem die Salmonellen-VO in erster Linie dem vorbeugenden Verbraucherschutz dient, sollte auch die Allgemeinheit zur Finanzierung der Maßnahmen herangezogen werden. Die staatlichen Beihilfen sind zur Kofinanzierung der Kosten für die Untersuchung auf Salmonellen unbedingt erforderlich. Hier sind die Bundesländer und auch die EU gefragt. Alle Beihilfen sollten mittelfristig in einem Fond deponiert werden, der von einer anerkannten unabhängigen Einrichtung verwaltet wird. Die Zahlungen aus dem Fond sollten dazu dienen, um vor allem unverschuldete Härtefälle vor dem finanziellen Ruin zu bewahren und so die heimische Erzeugung zu sichern.


Flankierend zur Sanierung der Betriebe muss auch die Aufklärung des Verbrauchers im Hinblick auf allgemeine Hygienegrundsätze beim Umgang mit Lebensmitteln intensiviert werden. Des Weiteren stellt auch der Verbraucher auf Grund seines Freizeitverhaltens (Reisetätigkeit) eine ernsthafte potenzielle Infektionsquelle dar. In eine derartige Aufklärungsoffensive muss die gesamte Lebensmittelkette einbezogen werden, da in vielen Erkrankungsfällen beim Menschen nicht zweifelsfrei geklärt werden kann, inwieweit diese durch eine Kontamination des Urproduktes oder eher durch hygienische Mängel bei der Verarbeitung und Zubereitung von Speisen hervorgerufen wurden.

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