DLG e.V. - Technische Möglichkeiten zur Emissionsminderung im Stall

Technische Möglichkeiten zur Emissionsminderung im Stall

Verschiedene gesetzliche Vorschriften zur Reduzierung der Stickstoffemissionen wie beispielsweise die Novellierung der Düngeverordnung und Düngegesetzgebung, die EU-Richtlinie zur nationalen Emissionsminderungsverpflichtung (NEC-/NERC-Richtlinie) sowie die aktuelle Überarbeitung der TA-Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) stehen vor dem Abschluss.

Von den neuen zu erwartenden Vorschriften der TA-Luft sind sowohl immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftige Tierhaltungsanlagen für Rinder, Schweine und Geflügel (IE-Anlagen) als auch solche betroffen, für die eine Baugenehmigung (ohne Öffentlichkeitsbeteiligung) ausreicht. Die Vorgaben sollen dann unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit nicht nur für Neubauten sondern auch für genehmigte Stallanlagen gelten.

Vertiefende Informationen zum Thema erhalten Sie beim DLG-Forum Emissionen 2017 „Im Schatten von BVT und TA-Luft - Emissionsmindernde Maßnahmen in der Tierhaltung“ am 30. Mai 2017 in Kassel.

Das Regelwerk der BVT (BAT; Best Available Techniques Reference Document) enthält einsetzbare Emissionsminderungstechniken. In den BVT Schlussfolgerungen werden Emissionswerte dieser Techniken beschrieben, die von den EU-Mitgliedstaaten verbindlich einzuhalten sind. (Durchführungsbeschluss vom 15.02.2017 veröffentlicht am 21.02.2017) Im Entwurf der TA Luft sollen die BVT-Schlussfolgerungen der EU nun umgesetzt werden und müssen verbindlich eingehalten werden. Tabelle 1 zeigt, dass die BVT`s einen Emissionsbereich angeben, die TA Luft jedoch eine 1:1 Umsetzung der BVT nicht vorsieht sondern deutlich verschärft.

Tabelle 1: Emissionsfaktoren im Vergleich

Darüber hinaus sind in der BVT Merkblätter enthalten, die Verfahrenstechniken, die zu einer Reduzierung der Ammoniakemissionen aus der Luft von Ställen eingesetzt werden können, beschreiben.

Viele der beschriebenen Maßnahmen können aufgrund technischer und/oder ökonomischer Bedingungen nicht bei bestehenden Anlagen eingesetzt werden.

Im Entwurf der TA Luft wird der Einsatz der Abluftreinigungsanlagen bei einem Antrag zur Genehmigung großer Tierhaltungsanlagen (IE-Anlagen) verpflichtend gefordert und somit zur Best verfügbaren Technik (“Stand der Technik“) erklärt.

Um die zukünftigen Emissionsminderungsverpflichtungen bis 2020 beziehungsweise 2030 einhalten zu können, sieht der TA Luft-Entwurf die Möglichkeit des Einsatzes einer “Teilabluftvolumenstrombehandlung“ vor. Werden 60 Prozent des nach DIN 18910 erforderlichen maximal zu installierenden Abluftvolumenstromes über eine geprüfte Abluftreinigungsanlage abgeleitet, wird ein Emissionsfaktor von 1,80 kg NH3/(TP*a) anerkannt und entspricht einer Reduzierung von genau 38,1 Prozent. Diese Möglichkeit der Emissionsminderung kann auch bei kleineren Tierhaltungsanlagen (< 2.000 Mastplätze) angewendet oder gefordert werden.

Durch die Reduzierung des zu reinigenden Abluftvolumenstromes auf 60 Prozent werden die hohen Gesamtkosten beim Einsatz der Techniken erheblich abgesenkt. Tabelle 2 zeigt die Kostenreduzierung bei einem derartigen Einsatz. Grundlage dieser Berechnung sind die mittleren Verbrauchszahlen (Mehrverbrauch an Strom für Pumpen und Lüftung, Frischwasserverbrauch, Abschlämmraten, Chemikalieneinsatz, Arbeitszeit und jährliche Kontrollen) aller nach dem DLG Signum Test anerkannten Abluftreinigungssysteme. Die angesetzten Investitionskosten (Rohbau und Technik) wurden von den einzelnen Herstellern mitgeteilt und dürfen als übliche Praxiswerte verstanden werden.

Tabelle 2:  Gesamtkostenkalkulation für Abluftreinigungsanlagen beim Einsatz einer Teilabluftvolumenstrombehandlung von 60 Prozent

1) KTBL Vortragsveröffentlichung 30.09.2016, Hannover, Seminar zur Genehmigung von Tierhaltungsanlagen

Die BVT-Liste als Anhang der TA Luft soll eine „offene Liste“ werden, die mit weiteren Techniken und entsprechendem Minderungspotential national erweitert werden kann. Um jedoch weitere Minderungstechniken in diese Liste aufnehmen zu können, müssen diese wissenschaftlich auf ihren emissionsmindernden Effekt untersucht und geprüft werden.

Da ein Minderungspotential für Ammoniak von fast 40 Prozent angestrebt wird, sollten sogenannte “Indoor Verfahren“ nur in Kombination untersucht werden. Zu den „Indoor Verfahren“ zählen je nach Tierart Futtermittel- und Tränkezusatzstoffe, Einstreuzusätze, Lüftungstechnik, Kühlung, Ionisation, Güllezusätze, etc.

Durch neue Konzepte muss in erster Linie die Ammoniakfreisetzung im Stallgebäude weitgehend unterbunden werden um die Ammoniakemissionen aus der Schweine-, Rinder- und Geflügelhaltung weiter zu reduzieren. Nur durch solche Gesamtkonzepte kann der generelle Einsatz von Abluftreinigungsanlagen, die im Kosten-Nutzen-Vergleich zwar die effektivsten Minderungsmaßnahmen darstellen (Reduzierung von Ammoniak, Staub und Geruch), eingeschränkt werden und das Ziel einer 40 prozentigen Ammoniakemissionsminderung, wie es die TA-Luft vorsieht, erreicht werden.